Motivationsstrategien haben im Modell des NLP, des Neurolinguistischen Programmierens, eine ganz herausragende Rolle. Oft orientieren wir Trainer uns an den Metaprogrammen, um die Menschen auf ihrem Weg zu mehr Motivation zu unterstützen. Gerade gestern habe ich ein Rhetorik-Seminar für Profis in München abgeschlossen, bei dem die Metaprogramme eine ganz besondere Rolle spielten.

Ich habe bei mir und bei vielen Teilnehmern unserer Seminare eine Motivationsstrategie gefunden, die ganz besonders gut wirkt: das Vermeiden von Schuld. Im Modell des NLP ist „Schuld“ ist eine Nominalisierung, also wird etwas beschrieben, das ich nicht in eine Schubkarre legen kann. Hier wird allerdings nicht nur der Prozess zum „schuldig werden“ getilgt, nein meist gibt es auch einen unbemerkten vorauseilenden Gehorsam. Und der macht meiner Meinung nach den erheblichen Effekt aus, wenn Schuld als Motvationslieferant dienen soll. Viele Menschen tun die Dinge, die sie tun, vor allem deshalb, weil sie die Schuld fürchten, die mit dem verbunden scheint, was sie lieber täten.

Auf die Palme und wieder herunter…

Nun gibt es im Modell des NLP zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Zum einen kann ich den Prozess wie oben geschehen wieder verdeutlichen, etwa durch die Wendung „schuldig fühlen“, die ja eindeutig wieder auf mich zeigt. Ich hatte vor ein paar Jahren eine Friseurin, die mir bei meinen schon damals meist kurz dauernden Haarschnitten erzählte, ihr Sohn bringe sie öfter auf die Palme. Mir gab das zu denken und als ich sie wenige Tage danach mit ihrem Sohn im Dorf traf, erschien es mir, als lasse sie sich auf die Palme bringen. Nicht nur, dass sie an jeder Kleinigkeit herumnörgelte, nein, sie regte sich auch noch (in meiner Welt übertrieben) darüber auf, wenn ihr Sohn irgendeinen dieser angeblichen Fehler machte.
Ich selbst bin ohne Frage der ausgeglichenste Vater dieses Planeten und ich behalte die absolute zen-taugliche Gelassenheit selbst in Situationen, in denen andere Menschen längst in eine hoffnungslose Panik verfallen wären. Es gibt kleine Ausnahmen von dieser Regel, das möchte ich hier nicht verheimlichen. Also wenn zum Beispiel nach dem Putzen der Küche noch Wasserflecken auf der Arbeitsplatte sind oder die Kinder das Spüli geleert haben, ohne die alte Flasche zu entsorgen und die neue aus dem Schrank zu holen – das sind solche Momente, in denen selbst ich nicht immer den Weg auf die Palme vermeide. Nur sind diese Ursachen für Ausbrüche ja zweifelsohne auch für Sie nachvollziehbar, oder?

Nachfragen hilft

Ich habe verstanden, dass wesentliche Teile der Kindererziehung in unserer fort-geschrittenen Gesellschaft auf dem Schuldprinzip basieren oder wenigstens, dass die Schuld eine der herausragenden Folgen dieser Erziehung ist. Der Teufelskreis, in dem sich viele von uns befinden, ist leicht zu durchschauen. Stellen Sie sich vor, Sie würden mit Ihren Kindern wegen etwas schimpfen, dass von einer ruhigeren, neuen Warte aus betrachtet gar nicht so schlimm war. Oder Sie haben vielleicht eine Situation völlig anders eingeschätzt und erst nach einiger Zeit kommen Sie dahinter, wie es sich tatsächlich verhalten hat. Was nun?
Es ist ja leicht für die meisten von uns, den anderen Menschen, dem dieses Unrecht widerfahren ist, um Verzeihung zu bitten. Und er wird auch wohl verzeihen, sobald wir gebeten haben. Die Frage ist, ob wir uns selbst verzeihen können in diesen Momenten. Ich habe schon genau gelesen, was da steht: „können“. Ja, das ist ein schacher Modaloperator und wenn ich einen Satz sagte wie „Ich könnte nächste Woche ins Fitness-Studio gehen“, dann ginge ich vermutlich nicht. Wie wäre es damit: „Erlaube ich mir, mir selbst zu verzeihen?“

Hier könnte eines der Kaninchen im viel zitierten Pfeffer liegen. Denn wenn ich mir etwas nicht verzeihe, fühle ich mich weiter schuldig. „Schuldig im Sinne der Anklage!“, heißt es oft in den Fernsehserien und vielleicht auch in amerikanischen Gerichten. Schon wieder eine Nominalisierung! Okay, die Schleife kenne ich bereits, die Auflösung heißt ja dann „Wer klagt wen an?“ Na ich mich – wie die meisten anderen auch.

„Schöne Ambiguität“, denke ich gerade noch, da reißt es mich weiter. Wie klage ich an und wer genau spricht schuldig? Das macht nicht notwendigerweise Sinn und ich werde mich einfach davon verabschieden, weil diese Abläufe mir nicht gut tun. Ich erlaube mir – ja so einfach geht es – mehr als Verzeihen, ich erlaube mir, in der Freiheit des Menschen zu leben, der sich erlaubt, auch mal einen so genannten Fehler zu machen.

Einfach so, richtig

Das Leben in diesem neuen Bewusstsein tut einfach gut. Und es ist ein neuer Umgang mit den guten alten Metaprogrammen möglich. Also etwa der Motivationsstrategie des von weg oder hin zu Motivierens. Es stehen viele neue Ziele an, die ich erreiche und ich stoppe den Abgleich mit einer möglichen Erwartungshaltung mir selbst oder anderer Menschen an mich. Getreu dem Motto: „Ich habe immer die Wahl!“ Und die übe ich jetzt aus. Folgen Sie mir.