Es begann bei einem Telefonat, nichts außergewöhnliches, nur mal wieder so ein Hinweis für mich, den ich nicht überhören wollte. Ein Kollege sagt mir, er habe gerade mit einem Klienten einen entscheidenden Fortschritt erzielt. Der Mann, 51 Jahre alt, habe in seinem Leben immer wieder neue Dinge angefangen, fühle sich depressiv und habe bisher nichts wirklich zu Ende bringen können. Nicht ganz so ungewöhnlich für unsere Zeit und unsere Gesellschaft, füge ich hier einfach mal hinzu. Und im Lauf der Arbeit kam mein Kollege in der ersten Sitzung zu dem Punkt, an dem seinem Coachie bewusst wurde, dass er sich seit seiner Kindheit verweigert. Und dieser Protest gegen alles und jeden, vor allem natürlich seine Eltern, habe ihn da hin gebracht, wo er heute stehe.

Der Aha-Effekt

Diese Erzählung passt gut zu meiner NLP-Brille der Welt, denn in dem Moment, in dem ich den Knackpunkt gefunden habe, gewinne ich sämtliche Macht zurück. Ich könnte nun ganz nach oben chunken und darüber philosophieren, wie Kinder in den 60er, 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu diesem stummen Protest erzogen wurden. Ob es die ständige Atombombenbedrohung war oder doch der gesellschaftliche Umbruch. Und ich könnte darüber nachdenken, wie eine Generation von Verweigerern ihre Kinder erziehen würde und ob die sich dann vielleicht auch verweigern. Oder radikal werden. Doch das tue ich an dieser Stelle nicht!

Und wie geht es weiter?
Wie genau kann ich die neue Erkenntnis verwenden, um einen anderen Menschen (oder mich selbst) voran zu bringen? Der erste Schritt kann sein, die Schlüsselszene auf der Timeline oder frei assoziiert zu finden, zu verändern und sich dann auf dem Rückweg ins heute die Wiederholungen des Musters anzusehen und zu verändern. Oder ich könnte den Teilnehmer gleich jetzt bitten, sich im aktuellen Leben Beispiele für seine Verweigerungshaltung zu suchen und diese zu verändern.

Verändern Sie nur Ihre Wahrnehmung

Hört sich leicht an, ist es auch! Denn es geht ja nur darum, diesen einen Moment zu verändern, an den sich derjenige erinnert. Und meist erinnert er sich an ein Bild und Gefühl, vielleicht auch ein Geräusch oder eine innere Stimme. Was immer es ist, sobald der Teilnehmer oder Klient das verändert hat, ändert sich seine Welt. Vollständig und für immer? Ja, so lange er das neue Muster lebt und sich nicht von alten Verhaltensweisen beeindrucken lässt. Es ist also Willenskraft bei der Veränderung von Nöten und die können wir, wie jeden Muskel auch, trainieren.

So hat zum Beispiel einer meiner Teilnehmer herausgefunden, dass seine destruktive innere Stimme absolut wirkungslos ist, sobald sie ihn mit NSieL anspricht statt mit NDuL. Einfache Methode, große Wirkung! Eine Teilnehmerin malte sich immer in schlimmsten Bildern aus, was passieren würde, wenn sie einen fremden Mann anspräche. Sie ließ es und das schien mir auch nur konsequent. Nur fühlte sie sich dadurch einsam und das wollte sie noch weniger. In dem Moment, in dem sie sich andere Bilder machte, war der Weg frei für einen Flirt und eine wundervolle anschließende Liebesbeziehung.

Was boykottieren Sie?

Nun wäre es noch einfacher, wenn es nicht beim Selbstboykott eine nette Doppelschleife gäbe. Denn Selbstboykott bedeutet, auch jegliche Veränderung zu boykottieren. Die Lösung liegt darin, sein Selbstboykottprogramm zu boykottieren. Immer, wenn Sie das Gefühl haben, sich selbst mal wieder dabei zu hindern, eine neue Chance zu nutzen, boykottieren Sie doch einfach die Motivation, das offensichtlich Destruktive zu tun. Ob Sie zu viel essen, zu wenig Sport treiben oder Ihren Partner beziehungsweise Ihre Partnerin oder die Kinder nicht gut behandeln, es ist egal, worum es geht. Also noch einmal: Sie sind mehr oder weniger perfekt darin, selbstzerstörerisches Verhalten zu zeigen. Also nutzen Sie endlich diese Stärke! Jetzt gleich. Werden Sie superzickig gegenüber den alten Mustern, die schon viel zu lange Ihr Leben einschränken. Sie erleben, das macht richtig viel Spaß.

Der Klient meines Kollegen hat es übrigens auch auf diese Weise geschafft, innerhalb weniger Tage sein Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Er bewarb sich um einen neuen Job, den er dann auch bekam, konnte abnehmen und räumte sein Leben gründlich auf. Und immer, wenn er mal rückfällig zu werden drohte, dann boykottiert er einfach sein altes Verhalten. Darin ist er schließlich Profi geworden in den vielen Jahren.

Der Erfolg gibt Recht

Für mich als Trainer gibt es nur eine entscheidende Messlatte für das, was ich tue: Das Feedback meiner Teilnehmer und eventuell noch der Menschen, die mit ihnen leben und arbeiten. Wenn ich positives Feedback von beiden Seiten bekomme, dann ist das selbstverständlich noch schöner, denn dann profitieren offensichtlich noch mehr Menschen von meiner Arbeit. Ein herrliches Beispiel ist ein junger Teilnehmer, der die laufende Practitioner-Ausbildung besucht. Sein Chef gibt ihm für den bevorstehenden letzten Block zwei Tage frei, weil diese Ausbildung so positive Wirkung gehabt habe. Und dieses Statement stammt von einem Chef, der bisher mit NLP nicht viel am Hut hatte. Gleichzeitig freut mich dieses indirekte Feedback vor allem auch deshalb, weil es bedeutet, dass diese Ausbildung auch sofortige Konsequenzen im Alltag hat, dass meine Teilnehmer NLP nicht nur theoretisch lernen, sondern sofort auch umsetzen. Und das ist ja genau mein Modell von NLP, dass es sich im Alltag nutzen lässt.