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Vorbereitung auf den neuen Job

13 Okt 2010, Geschrieben von map in NLP im Alltag, NLP kennenlernen

Liebe fresh-academy-NLP-Blog-Leser und Leserinnen,
ich freue mich, dass ich hier für Euch schreiben darf! Manche kennen mich schon als Teilnehmerin von Seminaren der fresh-academy oder durch meinen Blog nlpchanges. Ich habe mit dem Bloggen gleich nach meiner ersten Praktitioner-Woche angefangen, um mich mit den neuen Gedanken und Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Ich lerne und bin erstaunt, wie leicht Veränderung passiert und wie viel Positives sie mit sich bringt. Viele von Euch haben das in und nach NLP-Seminaren von Wiebke und Marc selbst erlebt. Also wer mag, darf mir bei meinem Lern- und Reflektionsprozess über die Schulter schauen, mitlernen und sich dabei mit verändern. Ich freue mich sehr über Anregungen und Feedback!

Zum Auftakt schreibe ich hier über ein Thema, welches mir in meinem beruflichen Umfeld häufig begegnet: Als Beraterin für Führungskräfteauswahl und -entwicklung wird mir oft die Frage gestellt: „Wie überstehe ich ein Assessment Center oder Bewerbungsgespräch erfolgreich?“  oder „Wieso werde ich bei Beförderungen immer übergangen?“ Also kurz gesagt: „Wie bekomme ich den Job?“

Es gibt viele Tipps und Ratschläge darüber, wie eine perfekte Bewerbungsmappe auszusehen hat, wie sich ein Bewerber richtig kleidet und was zu tun ist, um sich auf ein Assessment Center oder Bewerbungsgespräch optimal vorzubereiten. Das ist alles hilfreich und kann dazu beitragen, dass ein Kandidat in die engere Auswahl kommt. Und natürlich fragen sich die meisten Bewerber, wie sie die gefragte Performance in einem Vorstellungsgespräch am überzeugendsten darstellen und unter den Konkurrenten herausstechen können. Viele bemühen sich in einer solchen Situation auch, ein vermeindlich gewünschtes Verhalten zu demonstrieren.

Ich habe in Assessments diesbezüglich schon einige spannende und unterhaltsame Vorstellungen gesehen! Allerdings wirkt dieses offensiv dargestellte Verhalten dann meist nicht authentisch. Erfahrene Beobachter bemerken die Inkongruenz sofort und erkennen, dass hier etwas gespielt wird. (Inkongruenz bedeutet, dass ein Kontrast wahrnehmbar wird, zwischen dem, was ein Kandiat sagt bzw. wie er sich verhält, und dem, was er tatsächlich ausstrahlt. Und die nehmen alle Menschen unterbewusst wahr und wer – zum Beispiel dank NLP – seine Wahnehmung geschult hat, nimmt die Inkongruenz auch bewusst wahr.)

Ich habe schon viele Assessments und die darauf folgenden Beobachterkonferenzen und Entscheidungsprozesse miterlebt und dabei immer wieder beobachtet, dass die Beobachter sich letzlich (logischerweise) immer für den Bewerber entscheiden, den sie sich in der gefragten Position am besten vorstellen konnten. Klar, damit sage ich nichts Neues.

NLP hat mir geholfen, besser zu verstehen, was bei diesen Entscheidungsprozessen in den Köpfen der Betroffenen (also Bewerber und Entscheider) vor sich geht. Die Beobachter erleben den Kandidaten idealerweise in unterschiedlichen Situationen und sind bemüht, sich ein möglichst zutreffendes Bild zu machen. Sie „versuchen“ Anhaltspunkte dafür zu finden, wie der Kandidat sich vermutlich in der zu besetzenden Position verhalten wird und interpretieren dazu ihre Beobachtungen auf Basis ihrer eigenen Vorstellungen und Erfahrungen.

Letztlich entscheidend ist neben allen geforderten Qualifikationen und Fachkenntnissen also, ob der Kandidat den Beobachtern das Gefühl vermittelt, dass er die neue Rolle ausfüllen kann, ob also das richtige Bild in ihren Köpfen entsteht. Dazu muss das Gesamtpaket stimmen. Einzelne demonstrierte Verhaltensweisen (zum Beispiel Durchsetzungsbereitschaft, Engagement, Integrationskraft) – besonders wenn sie nicht authentisch wirken – reichen da nicht aus.

Wie gelingt es einem Kandidaten nun, das passende Bild in den Köpfen der Beobachter entstehen zu lassen?

Die wesentliche und entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass der Kandidat dieses Bild zuerst in seinem eigenen Kopf hat und, dass er sich selbst schon in der entsprechenden Position sieht! Wer sich detailliert informiert, welche Tätigkeiten und Aufgaben auf ihn zukommen und wer sich genau für diese Art von Aufgaben wirklich von Herzen begeistert, wer dafür brennt, genau das zu tun, was auf der gefragten Position gefordert ist, der wird dieses Bild automatisch auch in den Köpfen der Beobachter hervorrufen.

„You go first!“, sagen Wiebke und Marc immer, Du bist derjenige, der den ersten Schritt tut. Zuerst darfst Du Dich selbst in der neuen Postition sehen, spüren, hören, fühlen können. Du brauchst große Bilder in Dir davon, wie Du mit Freude die Aufgaben erfüllst, die dort gefragt sind!

Und hier sind wir am wichtigsten Punkt eines Einstellungsverfahrens: Ich habe viele Bewerber erlebt, die sich niemals Gedanken darüber gemacht haben, was genau sie in der angestrebten Position erwartet und ob das tatsächlich ihren eigenen Zielen, Wünschen und Visionen, ihren Potenzialen und Leidenschaften entspricht. Viele denken nur: „Okay, da ist ein freier Job, der vermutlich ein idealer erster oder nächster Schritt auf meiner Karriereleiter ist und es winkt auch ein attraktives Gehalt, also muss ich diesen Job unbedingt bekommen!“ So klappt das aber nur selten. Und wenn doch, stellt sich im Nachhinein oft heraus, dass die Tätigkeit unglaublich viel Kraft kostet, frustrierend ist oder gar krank macht. Das bringt keinen der Beteiligten weiter, Frust, Krankheiten und Kündigung sind da nur eine logische Folge.

Und es gibt die Fälle, in denen Mitarbeiter sich beschweren, dass sie bei Beförderungen wieder und wieder übergangen werden. Bei genauerem Nachfragen stellt sich oft heraus, dass sie sich selbst die neue Position gar nicht voller Überzeugung zutrauen, sondern darauf warten, dass der Vorgesetzte sie ihnen zutraut. Solange sie sich allerdings in ihrer jetzigen Position nicht so verhalten, als hätten sie die neue Position schon inne, erschaffen sie im Kopf ihres Vorgesetzen nicht das richtige Bild!

Daher werden in den meisten Fällen diejenigen befördert, die sich zeigen, sich äußern, sich positionieren, die aktiv und engagiert wirken. Sie machen den Stich! Egal welchen „Mist“ sie in den Augen der Kollegen anstellen, sie werden befördert. Immerhin agieren und entscheiden sie und sind mutig genug auch mal Fehler in Kauf zu nehmen. Genau das fehlt denen allerdings oft, die sich ewig übergangen fühlen! Es gibt keine Auszeichnung für Bescheidenheit, Zurückhaltung und Understatement! Wer gewinnen will, muss sich zeigen, muss etwas wagen, muss sich positionieren und gegebenenfalls auch mit Widerstand zurechtkommen.

Also: Zuerst mach dir Gedanken darüber, was du wirklich willst und ob die neue Position wirklich deinen Zielen, Träumen und Leidenschaften entspricht.

Dann mach dir große Bilder! Sieh, höre, fühle dich, wie du genau diese Tätigkeit mit Freude ausführst, wie du dabei erfolgreich bist und wie leicht es geht.

Und noch etwas zum Schluss:

Wenn Du in ein Assessment oder ein Bewerbungsgespräch gehst, denke immer auch darüber nach, dass die Firma etwas von Dir will! Sind sie gut genug, dass Du ihnen freiwillig deine Arbeitskraft zur Verfügung stellen willst? Beobachte genau, wie das Assessment durchgeführt wird und erkenne dabei, wie in dieser Firma mit Menschen umgegangen wird. Du kommst nicht als Bittsteller, sondern stellst, wenn die Firma Glück hat, deine wertvolle Energie, Kraft und Leidenschaft zur Verfügung, damit die Firma ihr Ziel noch besser erreichen kann!

Tipp: Höre zu diesem Thema auch den NLP-fresh-up-Podcast Nr. 80.

Sanny