Leben ist doch ziemlich einfach: Sie schauen sich Ihren Alltag an, finden die Dinge, die nicht okay sind, die Ihnen nicht gefallen, machen sich klar, was Sie wollen, und konzentrieren sich dann so lange darauf, bis es wahr geworden ist. Doch es gibt eine Kehrseite dieser Medaille, ich möchte das mal Reparaturbedürfnis nennen. Denn die Basis dieser Art des Erschaffens ist ja eben, dass etwas nicht stimmt oder zumindest noch nicht so ist, wie Sie es haben möchten. Und damit haben Sie bisher eine wesentliche Motivation für eine Veränderung gehabt: Ihr Missfallen, ein Reparaturbedürfnis.

Je mehr nun aber im Lauf der Zeit alles mehr und mehr in den Bahnen läuft, in denen Sie es immer schon haben wollten, desto weniger Bedarf für Korrekturen gibt es für Sie. Denn vielleicht sind Sie schon so weit, dass Ihnen Ihr Leben rundherum gefällt, Ihre Beziehung, Freunde, Lebensstil, Auto, Haus, Urlaube – kurz: alles passt. Welchen Grund hätten Sie dann, Ihr Leben zu verändern?

Sie kennen vielleicht meine These schon: Menschen verändern sich aus zwei Gründen: Sie haben große Ziele oder sie haben große Schmerzen. Meine These heute: Wenn Sie die schmerzhaften Themen überwunden haben, dann benötigen Sie eine völlig neue Motivations-Strategie. Sonst würde folgendes passieren, was ich auch schon bei dem einen oder anderen Teilnehmer beobachtet habe: Sie beginnen, trotz Ihrer Zufriedenheit mit den Umständen, unter denen Sie leben, immer wieder einen Fehler zu suchen, der eine Korrektur nötig macht. Und damit würden Sie auch Kleinigkeiten zu Fehlern hochspielen, würden sich unnötig aufregen und womöglich andere Menschen in diesen Ärger einbeziehen. So lange, bis Sie überzeugt sind, dass hier ein Reparaturbedarf besteht. Und dann kennen Sie sich ja wieder bestens aus.

Wenn Sie also mit Ihrem Leben schon sehr glücklich bist und insbesondere, wenn Sie schon vieles verändert und angepasst hast, dann prüfen Sie kritisch, ob Sie einen Reparaturbedarf an Stellen vermuten, an denen vielleicht gar keiner ist. Und lernen Sie, sich neu und anders zu motivieren, nämlich mit neuen, großen Zielen. Das ist eine echte Aufgabe, das ist ein Thema, bei dem Sie Reparaturbedarf haben: Sie dürfen Ihre Motivation verändern, sie führt Sie nämlich sonst immer wieder in die falsche Richtung. Bleiben Sie aufmerksam und prüfen Sie im Alltag immer mal, ob ein Thema, das Ihnen aufgefallen ist, wirklich die Aufregung wert war. Und falls nicht, dann war es vielleicht nur Ihre Fähigkeit, Dinge in Ordnung bringen zu wollen. Viel Spaß also beim Finden dieser spannenden angeblichen Fehler, die gar keine mehr sind, weil es Ihnen schon längst so gut geht!